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"ES KANN SEIN, DASS ALLES ENDET" heißt das neue und dritte Album der Wiener Überholspur-Wahnsinnsband Leftovers. Ein guter Titel, der nun aber auf keinen Fall für die Band selbst gilt, die mit diesem Album auf die denkbar beste Weise erwachsen geworden ist – und gleichzeitig weiterhin lichterloh brennt.

Der Autor Eric Pfeil hat kürzlich in einer Kolumne für den "Rolling Stone" ein Hohelied auf die romantische Idee von der Band als Gang aus Freund*innen geschrieben. Eine Rockband, so Pfeil, sei eine "Brutstätte des Unfugs" mit "irrlichternden Ambitionen", selbst eine solche zugründen, zähle "für junge Menschen zu den sinnvollsten Unternehmungen überhaupt."

Vielleicht hat Eric Pfeil ja an die Wiener Band Leftovers gedacht, als er diesen flammenden Appell verfasst hat. Was es bedeutet, mit seinen Freundinnen und Freunden die Welt aus den Angeln zu heben, zelebrieren Leftovers nun schon seit drei Alben auf stromstoßartig belebende Weise. Das am 11.10.2024 erschienene neue Album, "ES KANN SEIN, DASS ALLES ENDET", ist nun mehr denn je die 'Alle-machen-alles-Platte' dieser Band – und insofern die bislang kollaborativste Leftovers-Musik. Alle vier haben Texte geschrieben, gesungen, alles geht ineinander auf und verstärkt sich gegenseitig. Oft weiß man nicht, wer gerade singt oder was auch immer macht, aber das ist auch nicht wichtig: Alles auf diesem bestürzend umwerfenden Album ist Leftovers.

Das womöglich gar nicht mal so überraschende, keineswegs selbstverständliche daran: Anna Grob, Leon Eder, Leonid Sushonund, Alex Waismayer, deren Namen wir hier ausnahmsweise ein einziges Mal ausschreiben, bevor wir sie dann wieder Anna, Leon, Leonid und Alex nennen, sind durchaus vier höchst unterschiedliche Individuen. Die natürlich unterschiedlich fühlen, wahrnehmen, träumen, ja: sind. Aber genau darum geht es ja! Erst ihre Unterschiedlichkeit macht Leftovers nicht nur größer als die Summe der Teile, sondern unschlagbar. "Wir haben für die Songs gearbeitet, nicht für unser Ego", sagt Alex.

Auf "MÜDE" sangen Leftovers 2023 von chronischer Überforderung, von Panikattacken, toxischen Beziehungen und anderen Katastrophen der Adoleszenz, nun sind sie schon wieder einen Schritt weiter. Es geht in ES KANN SEIN, DASS ALLES ENDET um die Kraft der Gemeinschaft, um ein Aufrichten aneinander in finsteren Zeiten, um die Sehnsucht nach Liebe und die Abwesenheit derselben. Während der Produktion ergaben sich Trennungen, neue Bindungen, andere stabilisierten sich, das alles natürlich vor dem Hintergrund der großen globalen Krisen.

Dabei wollte die Band eigentlich in diesem Jahr überhaupt kein neues Album aufnehmen. Nicht schon wieder! Nach unzähligen Konzerten und zwei Alben in ebenso vielen Jahren wollten sie die Dinge mal ein bisschen entspannter angehen. Ein bis zwei EPs veröffentlichen, hier und da noch mal einen Song vielleicht, einfach raushauen, was fertig ist. Es kam aber dann ganz anders: "Wir haben uns mit Kolleg*innen unterhalten, und die meinten: "Echte Bands machen Alben, keine EPs"", sagt Schlagzeuger Leon, »dieser Haltung haben wir uns angeschlossen.

Immer noch kommt diese Musik einer Katharsis gleich, ist chronisch überdreht, auch mal lärmig bis zur Schmerzgrenze. Die Texte changieren zwischen Gebrauchslyrik, DADA, Punk und sind also ebenso unmittelbar wie die Musik. So weit, so Leftovers. Man hört aber auch, dass die Band so gründlich an diesen reichhaltigen, tiefgründigen Stücken gearbeitet hat wie noch nie. "Der Anspruch an unsere eigene Musik ist gewachsen", bestätigt Leon. Dazu passt, dass sich Leftovers zum ersten Mal bislang auf eine wirklich kollaborative Zusammenarbeit mit gleich zwei Produzenten (Georg Gabler, Sven Regener) einließen.

Leftovers sind erwachsen geworden. Auf die denkbar beste und reifste Weise.

"Es kann sein, dass alles endet"? Klar, jederzeit. Aber jetzt geht’s für die Gruppe Leftovers aus Wien erstmal so richtig los.

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