In "Keine Panik" kreuzt Kristin Gruber Qualitätsjournalismus mit den schrägen Mitteln von Late Night Talk Shows – nicht für platte Pointen, sondern um vorhersehbare Gesprächsdynamiken zu durchbrechen und auf ungewohntem Weg ans Eingemachte zu gehen. Ziel sind Kommunikationssituationen, in denen mehr Mut, mehr Brüche, mehr Sensibilität, Spontanität und ehrliche Unmittelbarkeit Platz haben. Niemand soll sich hier entspannt und selbstgefällig zurücklehnen, stattdessen: Risiko, Experiment und Unvorhersehbares, aber: Keine Panik.
Diesmal zu Gast ist eine der derzeit konfrontativsten, feministischen literarischen Stimmen im deutschsprachigen Raum: die Autorin Mareike Fallwickl. Nach vierzehn Jahren als Texterin und Lektorin arbeitet sie heute als freie Autorin und Literaturvermittlerin, hat fünf Romane geschrieben, ein Sachbuch, etliche Kurzgeschichten und den Theatermonolog "Elisabeth!", der zuerst am Burgtheater und dann am Staatstheater Hannover aufgeführt wurde. In Wien betrat dafür die Schauspielerin Stefanie Reinsperger als Sisi in einem überdimensionalen, schwarzen Kleid die Bühne und fegte wie ein Sturm durchs Theater, am Ende eine Stille, die viel beinhaltete und nichts mehr sagen musste, danach der tobende Applaus. Ihr Roman "Die Wut, die bleibt" wurde zum Bestseller im deutschsprachigen Raum und kam als Adaption auf die Bühne der Salzburger Festspiele. Überhaupt scheint Fallwickl Punkte, die für gewöhnlich weit auseinander liegen, in ihrer Biografie verbinden zu können, zum Beispiel der Weg von einem in der Unterhaltungsliteratur angesiedelten Erotikroman zu den elitären Schauplätzen der Literatur. Drei Worte, mit denen sie sich gerne beschreiben lässt: Scharfsinn, Boshaftigkeit, Witz. Die erste Staffel der feministischen, sexpositiven Hörspielserie "Zehn Atemzüge" der ARD, an der Mareike Fallwickl und drei andere Autor:innen geschrieben haben, war so erfolgreich, dass nun eine zweite folgte. In ihrem letzten Roman "Und alle so still" setzen Frauen ihre Care-Arbeit auf null. Mit ihrem Fokus auf feministische Themen visiert Fallwickl gesellschaftspolitische Konflikte an und diskutiert auch die Zwickmühlen, denen man beruflich, als Autorin hier begegnet.
Wie immer gibt es im Vorfeld keine Absprachen über Fragen und Themen. Das Publikum wird mittels kollektiver Umfragen eingebunden und kann via SMS Fragen und Kommentare direkt auf das "Keine-Panik"-Handy live auf die Bühne schicken, sowie auch all jene, die den Talk via Livestream mitverfolgen.
Ebenfalls auf der Bühne steht die Musikerin Leni Ulrich, deren Stimme sich mit der Band Bipolar Feminin ins kollektive Gedächtnis der lauthalsigen, deutschsprachigen Musik eingebrannt hat. Sie fügt dem Talk eine zweite aussagekräftige Ebene hinzu. Der Sound ist nicht gefällig oder angenehm kuratiert, sondern als emotionale Intervention gedacht. Leni Ulrich hat Narrenfreiheit, kann improvisieren und sich alles herausnehmen. Für "Elisabeth!" machte sie mit "Jopa, der sehr guten Band" Krawall. In "Keine Panik" spielt sie Gitarre, singt und schreit solo.