Vasiliki Papapostolou (Tarantism): Panopticon
Ein Körper im Widerstand, gefangen zwischen Regel und Reflex, zwischen Sichtbarkeit und Kontrolle: In "Panopticon" verwandelt Vasiliki Papapostolou alias Tarantism das philosophische Konzept des Überwachungsraums in ein vibrierendes, physisches Experiment. Was Jeremy Bentham als Gefängnismodell entwarf und Michel Foucault als Struktur moderner Gesellschaft beschrieb, wird hier zum choreografischen Brennpunkt: Ein Körper, beobachtet von uns und sich selbst, ringt mit der Idee, frei zu sein.
Papapostolou beginnt im Rhythmus eines Metronoms - ein Taktgeber, der zum System wird. Der Körper folgt, präzise, mechanisch, bis der Impuls kippt: Bewegung wird Widerstand. Die Tänzerin wird zur Maschine, die Mensch zu sein versucht - oder umgekehrt. Ihre Hände, in rotes Licht getaucht, sind Symbol und Zwang zugleich: Kontrolle, Zählung, Macht. Doch unter der Oberfläche tobt ein anderes Drama - das Ringen zwischen Ego, Über-Ich und Unterbewusstsein, zwischen Ordnung und Chaos, Anpassung und Aufbegehren.
Die aus Griechenland stammende Choreografin und Performerin ist eine international agierende Künstlerin des experimentellen Tanzes. Ihre Bewegungssprache - ein Hybrid aus Physical Theatre, Ballroom Latin und Urban Street Styles - verbindet komplexe Körperlichkeit mit psychologischer Tiefe. In "Panopticon" entfaltet sie diese Sprache mit packender Klarheit: Jede Bewegung trägt Bedeutung, jede Stille ein Risiko. Die Musik von Christopher Nas und das präzise Lichtdesign von Emma Gasson schaffen einen Raum, in dem Wahrnehmung selbst zur Bühne wird. Die Kamera von Klaus Shehaj hält fest, was sich der Kontrolle entzieht.
Das vielfach preisgekrönte Solo - u. a. ausgezeichnet beim 29MASDANZA, beim Tanztheater Erfurt und beim Philly Fringe Festival - zeigt eine Künstlerin, die Mechanismen der Macht in Bewegung übersetzt. "Ein brillant-groteskes Solo", urteilte die britische Presse, und traf damit den Kern: ein Tanz über das Menschsein in einer Welt, die uns permanent beobachtet.
Choreography, Performance, Text: Vasiliki Papapostolou aka Tarantism
Music & Sound Design: Christopher Nas
Lighting designer: Emma Gasson
Videographer: Klaus Shehaj