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ENDLICH

»Wenn endlich endlich kommt […]
Dann sei anders, damit die Welt sich verändert, damit sie die Richtung ändert, endlich!
«
Ingeborg Bachmann: Das dreißigste Jahr

gemeinsam im ›stehenden jetzt‹

Endlich fängt es an – das Thema, dem sich das Brucknerfest Linz 2026 verschreibt, ist nicht weniger als die ›Fest-Stellung‹ des Festes selbst. Denn zu dessen Wesen zählt zuerst einmal seine Zeitlichkeit; sein Beginn und sein Ende, gleichzeitig aber auch das Streben nach Unendlichkeit: in Klängen, Worten und Gesten, im Aneinander-Denken und Sich-Begegnen den nur der Fantasie erlaubten Kunstgriff zu gebrauchen, der das Entweder-oder ins Sowohl-als-auch verwandelt, die Endlichkeit mit der Unendlichkeit verschwestert.

Denn wenn am 4. September 2026 Riccardo Chailly und die Filarmonica della Scala an Anton Bruckners Geburtstag vor 202 Jahren erinnern, wenn Franz Welser-Möst an Bruckners 130. Todestag am 11. Oktober nach 25 Jahren seinen Abschied als Chefdirigent des Cleveland Orchestra feiert – und wenn, von diesen Höhepunkten eingerahmt, vom 13. bis 30. September das Brucknerhaus und ganz Linz in musikalischen Ausnahmezustand gerät, dann, endlich, öffnet sich der Raum des ›Nunc stans‹, des ›Stehenden Jetzt‹: Die Zeit hält den Atem an, zwischen unendlicher Vergangenheit und unendlicher Zukunft tritt der eine kostbare Moment hervor, den nur das gemeinsame Erleben des Außergewöhnlichen heraufbeschwören kann.

Vielleicht ist es Immanuel Kants »Land der Wahrheit«, ein Ort der Ideale, »umgeben von einem weiten und stürmischen Oceane, […], wo manche Nebelbank und manches bald wegschmelzende Eis neue Länder lügt«. Eine Insel inmitten dessen, was wir Alltag nennen. Kein Rückzugsort, sondern ein Ort des Aufbruchs auf dem »kaum erkennbaren Pfad von Nicht-Zeit [...], eine Art zeitlose Zeit, in der die Menschen zeitlose Werke schaffen können, um mit ihnen ihre eigene Endlichkeit zu transzendieren« (Hannah Arendt). Das Brucknerfest Linz 2026 versucht, diese »zeitlose Zeit« aufzufächern und damit ein Hörfeld, einen Begegnungsort zu schaffen, der uns im Wortsinn konzentriert und uns im endlichen Raum des Hier und Jetzt zusammenführt.

Und Bruckner? Dessen Musik ist tönendes Fundament für eben diesen Raum »in dem wir neu sehen, uns anders ins Verhältnis setzen können zu uns selbst und zur Welt und zur Möglichkeit der Unendlichkeit «, wie es Jagoda Marinić in ihrer Festrede 2025 so dringlich formulierte. 2026 wird Bruckner in vielen Formen abseits des Erwartbaren im Zentrum des Brucknerfestes stehen: improvisiert, neu kontextualisiert, unkonventionell arrangiert, kreativ weitergedacht – in Uraufführungen und letzten Werken, Debüts und Abschiedskonzerten, an bekannten und neuen Orten.

Andreas Meier Leiter
Programmplanung & Dramaturgie

Eventdaten bereitgestellt von: oeticket

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